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1. Definitionen
Suizid
Freitod, Selbsttötung: die absichtliche oft vorher angedrohte Vernichtung des eigenen Lebens durch Vergiften, Erhängen, Ertränken, Erschießen, Öffnen der Pulsadern etc. Kommt vor bei allen Psychosen
(v.a. bei endogener Depression), v.a. aber bei Geistesgesunden (als Endpunkt einer abnormen seelischen Entwicklung)
(Roche Lexikon Medizin)

 

Suizid
Die Selbsttötung ist gesetzlich nicht verboten; bzgl. einer Behandlungspflicht bei Suizidpatienten für den Arzt sieht der BGH im Selbstötungsversuch einen Unglücksfall nach §323c BGB (unterlassene Hilfeleistung), eine Hilfspflicht ist aber erst dann anzunehmen, wenn der Suizidant die Herrschaft über den von ihm veranlaßten Geschehensablauf verloren hat.
(Pschyrembel Klinisches Wörterbuch)

 

Selbstmord
Freitod, Suizid, die absichtliche Vernichtung des eigenen Lebens, erklärbar als auf freiem Entschluß beruhend (in ausweglos erscheinenden Situationen; bei Überzeugung von der Sinnlosigkeit desweiteren Lebens) oder als krankhafte Zwangshandliing (in Depressionen u. Psychosen). Wieweit die Häufigkeit des Suizids von der sozialen Faktoren abhängt, ist nicht abschließend geklärt.
(Bertelsmann Lexikothek)

 

Selbstmord
oder der Versuch dazu, ist fast nie Ausdruck des Todestriebes, sondern ein Hilfeschrei bei gleichzeitigem Selbsterhaltungstrieb.
(Jutta Schütz, Psychotherapeutin)

 

 

2. Rechtliche Situation

 

Nach deutschem Recht ist weder der Versuch des Suizids noch die
Teilnahme daran strafbar. Strafbar macht sich jedoch unter
Umständen wer die Selbsttötung eines Willensunfähigen oder
Irrenden veranlaßt oder geschehen läßt.

 

Nach österreichischem Recht (§78 StGB) und schweizer Recht (Art. 115 StGB)
ist Verleitung und Beihilfe zum Suizid strafbar. (A: Vergehen, CH: Verbrechen)
Zusätzlich sind in der Schweiz selbstsüchtige Beweggründe des Anstiftenden
bzw. Gehilfen erforderlich.

 

 

3. Methoden
Der Suizid ist nach dem Unfalltod die zweit häufigste Todesursache in dieser Altersschicht bis 20 Jahre.
In Deutschland sterben zur Zeit täglich drei Kinder und Jugendliche durch Suizid. Weitere 40 Kinder versuchen jeden Tag sich das Leben zu nehmen. Die Anzahl der jugendlichen Selbstmorde ist in Großstädten doppelt so hoch wie auf dem Lande. Besonders hervor zu heben sind hier Städte wie Berlin und Frankfurt.
Nach neuesten Informationen liegt die Zahl der Suizide auf dem Land wo sich Drogenhochburgen befinden, 50 % über dem normalen Schnitt.

 

Sehr interessant ist aber auch, daß sich Mädchen drei mal so oft das Leben nehmen wollen wie Jungen. Dagegen führen bei Jungen die Suizidversuche drei mal öfter zum Tode wie beim weiblichen Geschlecht. Gründe dafür liegen in der Art des Suizidversuches. Denn Jungen wählen die harte Methode des Suizids, wie z. B. verbrennen, erhängen oder erschießen.

 

Die Selbstmordgefahr ist bei Schülern höher als bei Jugendlichen, die sich bereits in der Berufs- ausbildung befinden.
Die meisten Selbstmorde passieren im Frühjahr und im Herbst und überwiegend montags. Keine Rolle spielt dagegen wie immer angenommen wird die soziale Schicht. Genaue Zahlen über Suizide gibt es leider nicht, da Experten die Dunkelziffer um ein vielfaches höher schätzen als in den Statistiken aufgeführt sind. Gründe dafür liegen darin, daß Eltern aus Angst vor der Schuldzuweisung durch die Gesellschaft den Selbstmord als Unfall oder Unglück hinstellen.

 

In den meisten Religionen und Kulturen wir der Suizid immer noch als Schande oder nichts normales bezeichnet. Früher wurde Selbstmördern die Beisetzung auf Friedhöfen nicht gestattet.

 

In manchen Kulturen gehört der Suizid zu einer Art ,,Ehrenkodex". Denke man da an die Kanmikaze Flieger oder Personen die Harakiri begehen.

 

Der bekannte Suizidforscher Erwin Ringel (Psychotherapeut) sieht die Ankündigung, sich das Leben zu nehmen mit dem Motiven verbunden wie z.B.

 

- Der Wunsch nach Hilfe von den Angehörigen
- Diese unter Druck zu setzen oder aber auch nur zu Informieren

 

Es ist deshalb falsch zu glauben, daß Menschen, die von Selbstmord sprechen, es nicht tun. Acht von zehn Suizidanten haben ihre Tat vorher angekündigt.
85 % derer, die einen Suizidversuch begangen haben, versuchen sich ein zweites mal zu töten. Dieser Versuch verläuft zu 10 % wiederum tödlich.
Die Methoden, die Kinder und Jugendliche anwenden, sind unterschiedlichster Art:
24 % erhängen
24 % erschießen
22 % vergiften
12 % ertränken sich.
18 % sonstige
Weitere Methoden wären Sturz aus großer Höhe, Öffnen von Pulsadern, sich vor einen Zug legen.

 

 

4. Ursachen
Die Frage der betroffenen Eltern nach dem ,,Warum" bleibt meist unbeantwortet. Nur jeder zehnte jugendliche Selbstmörder hinterläßt einen Abschiedsbrief.

 

Um der Frage des ,,Warum begehen Kinder und Jugendliche Selbstmord" nachgehen zu können, muß man unterscheiden zwischen Ursache und Auslöser. Auslöser sind fast nie die Ursache eines Suizids.

 

Die Ursache des Suizids bei Kindern und Jugendlichen liegen meist in der frühen Kindheit. Fehler in der Erziehung wie

 

- Zurücksetzen oder Vernachlässigung des Kindes
- Mißtrauen
- ständige Kritik
- angstfördernde Erziehung
- zu hohe Leistungserwartung
- gestörte Familienverhältnisse

 

Dieses sind in der Regel die wirklichen Gründe für einen Suizid.

 

 

5. Auslöser
Auslöser für einen Suizid sind meist aktuelle Anlässe wie z.B.

 

- Verlust eines Elternteiles durch Scheidung oder Tod
- Probleme in der Schule oder Beruf
- Drogenprobleme
- Kriminalität (Diebstahl)
- Verkehrsunfall

 

Diese Auslöser sind meist nur der letzte Tropfen im Faß, der dieses dann zum überlaufen bringt und sich daraus oft eine unüberlegte Handlung daraus ergibt.

 

Wichtige Faktoren für einen Suizid bei jungen Menschen sind unter anderen

 

Wohlstand: Mit steigenden Wohlstand nahm in Deutschland auch die Zahl der Suizide zu. Dagegen liegt in Ländern mit niedrigen Lebensstandard die Selbstmordrate um einiges niedriger. In unserer Wohl- standsgesellschaft bleibt die Frage nach dem Sinn des Lebens oft unbeantwortet. Das Wort ,,Freude" scheint für viele junge Leute ein Fremdwort geworden zu sein. Sie glauben, alles zu besitzen und können sich daher über nichts mehr freuen.

 

Liebeskummer: Dadurch, daß Jugendliche in der Familie keine Geborgenheit und Liebe mehr fmden, versuchen sie sich diese bei einem Freund oder einer Freundin zu finden, geht diese Liebe auch dort verloren, fallen sie in eine tiefe Resignation oder fühlen sich auf ein Abstellgleis geschoben. Dies führt dann meist zu einer Panikhandlung, dem Selbstmord als letzten Ausweg. Oft wird der Suizid auch als Racheakt benutzt, um beim Partner ein schlechtes Gewissen oder ein Schuldgefühl zu verursachen.

 

Nachahmung: Dabei handelt es sich um ein klares Nachahmungslernen in der Pubertät. Schauspieler, Freunde, Eltern werden imitiert. Das kann bis zum Selbstmord führen. 1981 lief im Fernsehen z.B. die Serie ,,Tod eines Schülers", die damit begann, daß sich ein Schüler vor einen Zug warf. Daraufhin stiegen die Eisenbahnsuizide enorm.

 

Depression: 60 % aller Selbstmörder litten unter Depressionen. 16 % der Suizide sind auf krankhafte Depressionen zurückzuführen. Den Betroffenen erscheint alles grau in grau. Nichts kann ihnen mehr Freude machen. Sogar Sachen, die früher Spaß machten, bereiten jetzt nur noch Qualen. Der Tod erscheint als Erlösung, weil schlimmer als das Leben kann er gar nicht sein.

 

Zum Unterschied dazu gebt es die sogenannte ,,heitere, lachende" Depression. Die Betroffenen verbergen ihr seelisches Elend hinter einer Maske und erscheinen fröhlich und sorglos. Doch plötzlich halten sie ihre Qualen nicht mehr aus und nehmen sich das Leben. Diese jungen Menschen sind besonders gefährdet, weil niemand die Gefahr erkennt, niemand bemerkt eine Veränderung. Deshalb haben diese Kinder keine Chance, daß ihnen geholfen wird.

 

Kindesmißhandlung: Gewalt gegen Kinder und Jugendliche ist ein sehr weit verbreitetes Problem, über das zu wenig gesprochen wird. Die Betroffenen schämen sich, darüber zu sprechen oder werden mit Drohungen zum Schweigen gebracht. Deshalb stehen diese Kinder und Jugendliche ohne Hilfe da und wissen keinen anderen Ausweg aus ihrer Lage als den Suizid.

 

6. Zeichen
Um einem Selbstmord bei Kindern und Jugendlichen vorbeugen, bzw. helfen zu können, muß man sehr genau und viel beobachten.
Es gibt kein Patentrezept, das generell angewandt werden kann. Denn jeder Fall liegt anders. Fast jeder Suizid kündigt sich durch Zeichen und Handlungen an die man erkennen muß. Diese könnten sein

 

- Schule schwänzten
- weglaufen von zu Hause
- Eß- und Magersucht
- Diebstähle
- Abbrechen von Freundschaften
- Verschenken von Lieblingssachen
- Intressenlosigkeit an liebgewonnen Hobbys

 

7. Präventive Maßnahmen
In der Suizidforschung spricht man von einem ,,präsuizidalen Syndrom", das fast immer dem Selbstmord vorausgeht. Darunter versteht man das Zusammentreffen verschiedener psychischer Störungen zu einem Krankheitsbild.

 

Die Entwicklung läuft in drei Phasen ab.

 

1. Einengung der Gefühle
2. Aggressionsumkehr
3. Selbstmordphantasien

 

Die zu letzt genannte verläuft wiederum in drei Phasen und entsteht wenn Jugendliche nicht mehr weiter wissen.

 

Phase 1: ,,Ich möchte tot sein"
Phase 2: ,,Ich möchte mich selbst töten" Dieser Gedanke könnte schon zwanghaft werden.
Phase 3: ,,Wie und Wann werde ich es Tun"
Zu diesen Zeitpunkt wird der Selbstmord schon bis ins kleinste Detail geplant und evtl. darüber gesprochen.

 

8. Hilfen
Grundsätzlich gilt nun, wer helfen will, muß geäußerte Selbstmordabsichten erkennen und ernst nehmen. Man muß wissen, warum dem Jugendlichen das Leben so unlebenswert erscheint. Die helfende Person sollte auf die Konflikte der jungen Menschen eingehen und sich viel Zeit nehmen. Sie muß dem Gefährdeten aktiv helfen, aus seiner Notlage herauszukommen. Es ist ein Irrtum, zu glauben, daß ein zum Suizid entschlossener Jugendlicher nicht mehr von seinem Vorhaben abzubringen ist. Die meisten von ihnen sind hin und her gerissen zwischen dem Wunsch zu leben und den Wunsch zu sterben. Meist dominiert doch der Lebenswille. Dieses belegen Befragungen von Suizidanten nach einen Selbstmordversuch, in dem sie angeben, diesen zu bereuen und sehr gerne weiter leben wollen.
Eine Schlüsselrolle bei der Verhütung von Selbstmorden kommt hier den Eltern zu, da ja, wie vorher schon erwähnt, die Ursachen für die psychischen Fehlentwicklung von Kindern in der frühesten Jugend liegt. Das Kind braucht, um sich entwickeln zu können, einfach nur die einfühlsame Liebe der Eltern. Es darf keine Angst vor ihnen haben, muß sie aber jedoch respektieren. Die Eltern sollen das Kind so annehmen, wie es ist. Sie müssen sich auch damit abfmden, wenn das Kind anders als erwartet ist. Das Kind muß wissen, daß die Eltern immer für ihn da sind. Jedoch dürfen Eltern ihre Kinder nicht als Eigentum betrachten. Ein Kind, das von Anfang an Liebe, Zärtlichkeit, Wärme, Schutz, Ehrlichkeit und Toleranz erfährt, wird sich nicht das Leben nehmen wollen. Natürlich ist auch die Gesellschaft gefragt. Obwohl sich in der BRD jährlich
13.000 Menschen das Leben nehmen, ist Selbstmord immer noch ein Tabuthema. Es gibt von öffentlicher Seite keine Hilfsangebote und keine Aufklärungskampagne. Zwar gibt es eine Suizidforschung, doch deren Appelle finden nur wenig Interesse. Gefragt ist das Engagement der Mitmenschen, das Selbstwertgefühl der Jugendlichen aufzubauen, ihnen wieder Mut zum Leben zu vermitteln und ihnen Zukunftsperspektiven zu vermitteln.
Bei Schülern ist es wichtig, daß die Übergänge zwischen den Lebensbereichen Familie, Schule und Freundeskreis fließend sind. Auch wenn sie unterschiedliche Anforderungen stellen.
Zu einer dauerhaften Suizidvorbeugung gehört auch, da? der Gefährdete über den Sinn seines Leidens nachdenkt, sich überlegt, ob es im Leben doch noch Freude für ihn gibt. Der junge Mensch muß sein Bewußtsein ändern. Das alles kann er am besten bei einem Therapeuten in einer Gesprächstherapie.
Für betroffene Jugendliche, Kinder und deren Eltern stehen vielfältige private Hilfsangebote zur Verfügung, wie z. B. Telefonseelsorge, Selbsthilfegruppen.

 

9. Zusammenfassung
Jede Lebensgeschichte ist anders, doch alle Selbstmörder hatten eines gemeinsam: Sie hatten keine Hilfe, fanden kein Verständnis und waren in ihrem kurzen Leben einsam. Wir, die Eltern, Gesellschaft, Schule und Kirche müssen versuchen, positive Vorbilder zu werden, aber wir müssen auch unsere Schwächen zeigen können.
Wir alle müssen sensibler mit den Nöten der jungen Menschen umgehen und ihnen zeigen, daß das Leben schön sein kann.

 

 

 

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